Hallo Leute,

Ich heiße Mirian, ich bin Paraguayerin und kenne auch Deutschland. Viele Deutsche interessieren sich für mein Land und möchten hier leben. Viele sind gekommen und konnten hier nicht dauerhaft Ihre Existenz bestreiten und gingen wieder zurück nach Deutschland. Ich stehe mit manchen noch heute in Kontakt und trotz der Tatsache, daß sie Ihre Vorhaben in Paraguay nicht realisieren konnten, fanden sie Ihre Zeit in Paraguay doch als eine schöne und unvergessene Zeit. Als Paraguayerin, die Ihr land liebt, wollte ich auch gerne wissen was Leute, die ich nicht kenne über mein Land denken. So habe ich mich durch alle möglichen Internetbeiträge und Internetforen gelesen.
Als Erkenntnis muß ich jetzt feststellen, daß ich in einem Land geboren und aufgewachsen bin, das vor deutschen Betrügern und Abzockern strotzt, eines der korruptesten der Welt ist, in dem die Kriminalität jeden auf Schritt und Tritt verfolgt, das rückständig ist und die Mücken jeden auffressen, jedoch trotz allem freundliche und gastliche Einwohner hat. Danke für diese Einschätzung, jedoch gilt auch dies nicht für alle Paraguayer.
Ich fragte mich, was sind das für Leute, die sich unter Pseudonymen gegenseitig beschimpfen, an Paraguay kein gutes Haar lassen, das Wort "Höflichkeit" nicht kennen, Rechenschaft und Aufklärung zu von Ihnen erfundenen Themen verlangen in Art einer inquisitorischen moralischen Instanz und scheinbar sonst nichts zu tun haben, außer Tausende Beiträge zu verfassen und teils immer noch in Paraguay ansässig sind, obwohl es ihnen nicht gefällt. Wir haben in Paraguay viele Probleme, ich habe jedoch den Eindruck, daß manche Deutsche, die keine Probleme haben sich welche suchen um sie zu haben.

Ich möchte hier einmal schildern wie ich Deutsche in Paraguay kennen gelernt habe und wie würde Deutschland wirken, würde ich ein paraguayisches Deutschlandforum einrichten. Vielleicht kehrt dann der eine oder andere zuerst vor der eigenen Tür.
Wir leben in Paraguay nach der Devise "leben und leben lassen". Wir hatten und haben große Achtung und Sympathie gegenüber Deutschen, zumal unser ehemalige Präsident Don Alfredo Strössner deutscher Herkunft war.
Die Deutschen, die ich vor 20 Jahren kennen lernte waren durchweg fleißige, angenehme Menschen. Sie kamen nach Paraguay gerade weil hier kein nennenswerter Tourismus stattfand. Sie machten Geschäfte auf, hier eine Bäckerei, da ein Restaurant, dort eine Autowerkstatt oder ein Hotel. Sie schufen Arbeitsplätze und wenn die Straße zu Ihrem Grundstück schlecht befahrbar war, besserten sie die Straße aus und die anderen Anwohner freuten sich. Sie hatten kein Problem mit unseren schlechten Straßen, die Telefongespräche wurden handvermittelt, Kriminalität war ein Fremdwort und daß wir Probleme mit ihrer fürchterlichen Pünktlichkeit hatten, daran gewöhnten sie sich. Sie konnten sogar darüber lachen, daß ihr Gärtner einen Baum fällte, den er nur kürzen sollte. Man war sich bewußt, daß ein sprachliches Mißverständnis vorlag ,der Gärtner es gut und gründlich eben deutsch zu machen versuchte und man kam nicht auf die Idee ihn als dumm zu bezeichnen. Daß bei Regen die Strassen in Asuncion zu reißenden Flüßen werden und sie sich bereits zum wiederholten Male ihr Auto ruiniert hatten, freute sie wie uns nicht gerade, aber man nahm es als Abenteuer hin. Auch hatte ich den Eindruck, daß sie sich unter ihren Landsleuten durchaus gut verstehen.
Natürlich gab's immer auch schon solche und solche. So wollte ich nie in eine durch Internet bekannte deutsche Kolonie fahren nachdem mir eine Freundin erzählte, daß Ihr deutscher Ehemann nicht mehr gern im deutschen Club gesehen wird, seit er mit ihr verheiratet ist und sie selbst schon gar nicht hinein darf.
Mittlerweile kommen mehr und mehr Touristen aus aller Herren Länder und so auch viele Deutsche nach Paraguay. Aber wie hat sich doch Ihre Mentalität verändert. Ein Freund meines Mannes bietet Rundreisen an und beantragt auch Aufenthaltsgenehmigungen für Auswanderer. So manche möchten vormittags schnell mal in den Chaco 500 Kilometer nach Norden, nachmittags nach
Encarnación 400 Kilometer nach Süden, zwischendurch die Aufenthaltsgenehmigung machen und wenn noch Zeit ist abends vor Sonnenuntergang noch schnell ein Grundstück ansehen. Nebenbei soll man natürlich auf alle Fragen eine Antwort haben, wo die besten Restaurants sind, wie man sich eine Existenz aufbauen soll, welche Bank die besten Zinsen gibt, wo welcher Arzt wie gut ist. Ob es dieses Medikament, das keiner kennt auch in Paraguay gibt, wer denn der beste aber billigste Architekt sei und ob man nicht auch noch wüßte wer grad mal das Haus baut. Mein Bekannter stöhnt oft ob dieses Stresses. Die Fahrten sind natürlich zu teuer, man vermutet Abzocke, denn man hat ja dort in der Zeitung einen billigeren Anbieter gesehen. Daß die Wartung und Instandhaltung oder die Reparatur nach einer Reise oft teuer sind, das interessiert natürlich nicht.
Mein Onkel bot einmal ein Grundstück zum Verkauf an. Ich erzählte dies meinem Bekannten, ob er es vielleicht mal einem Einwanderer zeigen könnte. Natürlich kein Problem. Mein Bekannter zeigte das Grundstück einem interessierten Deutschen. Das Grundstück schien zu gefallen und der Preis wurde akzeptiert. Nach ein paar Tagen bei einer erneuten Besichtigung wurde meinem Bekannten unterstellt, er sei wohl auch so ein Abzocker , man habe gehört der Preis sei zu hoch. Nun gut nun sollte mein Bekannter den Preis runterhandeln. Mein Onkel akzeptierte die Preisvorstellung des Deutschen nicht. Nun wollte man ein vorheriges Preisangebot doch akzeptieren, aber mein Onkel lehnte ab. Paraguayer haben auch ihren Stolz, das sollte man nicht unterschätzen. Nun wurde meinem Bekannten unterstellt, er habe es vermasselt und den vereinbarten Preis für die Fahrt zu bezahlen könne er ja wohl nicht erwarten. Es ist auch schon vorgekommen, daß nachdem die Existenzgründung nicht funktionierte man mit Vorwürfen konfrontiert wurde, der falsche Tipp sei schuld gewesen.

Andere wiederum kaufen Grundstücke für Tausende von Euros, handeln aber bei der Gemüsefrau eine Ware um 1000 Guaranies runter, das sind umgerechnet ca.13 Cent ja sie lesen richtig.
Der nächste will 12 Kilometer durch die Stadt fahren, weil er dort seine Biersorte um 5 Cent billiger gesehen hat.
So mancher nutzt das üppige Frühstück der Hotels, um sich noch sechs Brötchen zu schmieren damit sie nicht ein Mittagessen bezahlen müssen. Viele begegnen uns Paraguayern mit einer spürbaren Überheblichkeit und manche meinen, jede Frau würde nur auf einen reichen Deutschen warten.
Wenn es Gesetze gibt, daß ein Auto mit geeignetem Schuhwerk zu fahren ist, dann halten wir uns daran und der Deutsche wird genau so behandelt und von der Polizei zur Kasse gebeten wie wir. Daß der Polizist sein kärgliches Gehalt auch ein wenig aufbessern will wissen wir alle. Daß ich in Deutschland eine Strafe zahle wenn die Parkzeit um 2 Minuten überschritten wird, das muß ich auch akzeptieren.
Wenn ich nun daran denke, daß in Deutschland lebende Ausländer sich integrieren sollen , dafür staatlicherseits Milliarden an Steuergeldern aufgewendet werden, dann möge man doch bitte nicht erwarten, daß wir auch noch dafür sorgen sollen, daß es an jeder Ecke Schweinshaxe, Sauerkraut und Bretzel gibt und bitteschön auch noch billiger als zu Hause. Wenn man in Deutschland erwartet, daß sich Ausländer integrieren und anpassen, dann sollte so mancher Deutsche in Paraguay daran denken und nicht erwarten, daß sich das Gastland Ihm anpaßt. Und daß hier "oben ohne" nicht erwünscht ist möge man auch verstehen. Immerhin haben die Jesuiten lange gebraucht, es uns auszutreiben. Auch möge man sich nicht nach dem " Allinclusive" Urlaub im Club Med in Kenia beschweren, daß es dort zu viele Schwarze gibt.

Vielleicht haben sich viele Deutsche zu viel von ihren Freunden jenseits des Ozeans abgeschaut. Sollen sie die doch besuchen, aber nein da zerstört ja jedes Jahr ein Sturm das Haus.
Ich glaube manchen Leuten wäre eher damit gedient, sie blieben zu Hause. Und Sie können sicher sein, wir werden in Paraguay nicht ärmer!!

Ich danke meinem Mann, daß er meine Gedanken übersetzt hat und in ein - so hoffe ich - verständliches Deutsch geschrieben hat.

Grüße

Mirian Blanco